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    Eine aufregendere Architektur als die Manuelinik gibt es wohl kaum. Man begegnet ihr außer in Portugal nirgendwo in der Welt. Sie erinnert an die Zeit, als Portugal über Meere und Kontinente herrschte und die halbe Welt portugiesisch war. Anfang des 16. Jahrhunderts hatte das kleine Land mit seinen damals rund 1,2 Millionen Menschen ein weltumspannendes Imperium aufgebaut, das rund um den Erdball von Brasilien, Afrika über Indien, Indonesien bis nach Nagasaki reichte. Mit König D. Manuel I., dem Glücklichen, brach für Portugal das „Goldene Zeitalter“ an, die glanzvollste Epoche seiner Geschichte.

    Auf der Höhe seiner Macht setzte Manuel I. (1495-1521) mit dieser nach ihm benannten Stielrichtung sich selbst und der Seefahrernation ein Denkmal. Die schlichte, monumentale Grundstruktur der Manuelinik entstammt der Spätgotik. Stilelemente aus der Frührenaissance sowie der islamischen und orientalischen Welt ergänzen sie: Rundbogenfenster, Hufeisenportale, Säulen und Türmchen, Arkaden und Baldachine. Die Krönung aber sind die verblüffenden Verziehrungen. Die Ideen dafür brachten oftmals die Seefahrer von ihren weiten Reisen mit. Steinmetze, Meister ihrer Kunst, setzten sie in filigrane Ornamente um. Da wachsen Algen, Seetang, Korallen und Schlingpflanzen aus dem nackten Stein heraus, Meerestiere wie Muscheln und bizarr-phantastische Ungetüme, die die Seeleute unterwegs in Angst und Schrecken versetzt hatten, Schiffszubehör, wie Taue, Anker und Netze. Der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt. Dazu gehören auch nautische Gegenstände, etwa die Armillarsphäre, ein astronomisches Gerät zum Messen der Himmelskreise, die D. Manuel I. zu seinem persönlichen Wappenzeichen machte. Dazu gesellt sich stets das Kreuz der Christusritter, mit deren Geldern die Entdeckungsreisen größtenteils finanziert wurden. Die üppige maritime Symbolik wuchert an Wänden, Portalen und Fenstern, schmückt Klöster, Kirchen und Paläste und rankt sogar noch an Schandpfählen hoch.

    Zu den schönsten Beispielen der Manuelinik zählen im Lissabonner Vorort
    Belém das Hieronymitenkloster und die Torre de Belém, das Kloster Bathalha sowie das Fenster der Christusritterburg in Tomar.
    Portugal

  • Foto: José Manuel / ICEP Portugal
  • In Belém gab es zu Zeiten Manuels I. nur einen Hafenkai. Im Sommer 1497 lichteten hier die Karavellen Vasco da Gamas die Anker mit dem Ziel, den Seeweg zum Gold- und Wunderland Indien zu finden und das arabische Handelsmonopol im Orient zu zerstören. Vier Jahre später kehrte der Indienfahrer mit der ersehnten Erfolgsmeldung zurück. Unvorstellbare Reichtümer flossen nach Lissabon, Gewürze, Gold und Sklaven. Zum Dank stiftete König D. Manuel I. dem Hieronymiten-Orden ein Kloster, das in Dimension und Pracht der Bedeutung der Entdeckung des Indienreisenden gerecht würde. Der Grundstein wurde dort gelegt, wo die Karavellen des berühmten Seefahrers losgesegelt waren, um Weltgeschichte zu machen, am Tejo-Ufer in Belém.


    Quelle: ICEP Portugal / pairola-media.com

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